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Kurzgeschichten

geschrieben von Sandra Pothmann

   
 

Der Held

Gezeiten       

Der Raucherraum

Badewannenglück   

Kleine Träumerin

   
   
Der
Held


Ich lieg da, reglos wie seit Monaten. Ich bin es müde meine Augen zu öffnen. Das Zimmer ist vertraut, wie die Stimmen um mich herum. Ich weiß was ich erblicken würde.
Der Pokal, auf dem Regal neben dem Fenster. Ein Zeugnis meiner siegreichen  Sportlerjugend. Das Fenster mit dem Kirschbaum davor, der nun voller herrlich- süß- duftender Blüten hing. Über dem Sekretär zu meiner Linken, Fotos meiner toten Kameraden. Jeder einzelne ein Held. Wir waren Helden. Auf dem Nachtisch, die Pillenschachtel, mit der Hoffnung meiner Kinder und meiner Frau.

Das liebevoll besorgte untröstliche Lächeln meiner lieben Elisabeth. Niemals Vorwurfsvoll.
Die Gesichter meiner erwachsenen Kinder. Ihre Augen waren immer noch die aus meiner Erinnerung.
Respektvoll, Erwartend, Stolz.

Ich hätte nicht gehen müssen. Ich tat es freiwillig.
Ich hatte Glück. Kam zurück.
Viel zu spät. Als Held. Sie feierten mich.
Auch vorher war ich schon ein Held. Bei der Feuerwehr. Davor als Mannschaftskapitän und Torschützenkönig der Schulfußballmannschaft.

Ich verlor nie. Nicht gegen Torwärter oder Verteidiger. Nicht gegen das Feuer von brennenden Häusern. Ich rettete Ehre und Leben.
Verlor, nicht gegen den Feind.

Gewann, immer Annerkennung und Respekt der Freunde, die Liebe meiner Frau, meiner Kinder, der Presse, mir Fremden, Nachbarn, meinen Vorgesetzten und Kameraden. Auszeichnungen, Urkunden, Pokale, Medaillen, Orden-. Zeugnisse echten Heldentums.

Und bald, ein Monument aus Marmor. Vielleicht noch ein paar Tage. Ein Kreuz für den Helden.
Sie würden mir nicht glauben.
Sie würden mir nicht glauben, dass es nicht richtig ist.
Sie würden sagen es war meine Pflicht.
Sie würden wieder sagen, wie stolz sie sind. Weil ich mutig das richtige tat. Sie wissen es nicht.
Aber ich weiß.
Ich weiß, dass ich gut sein wollte, besser, richtig.

Aber nun ist es nicht zu leugnen.
Ich bin ein Held.
Soviel gekämpft, immer gewonnen.
Dann alles verloren, was für mich wichtig ist.

Mich selbst weil ich meinen Glauben verlor.
Ich sehe noch wie ich sie verließ. Aus Eitelkeit, Geltungssucht, anmaßende Überheblichkeit.
Nicht sehend das ich für mich allein die Verantwortung trage.

Seit wann ich das weiß, als der Kindersoldat tödlich getroffen zur Erde sank.
 copyright Sandra Pothmann
                                                                

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